Naturfotografie
Joachim Sieg

"Roter Milan"


Am Aprather Mühlenweiher

Geduld ist das wichtigste Attribut eines Naturfotografen! Diesen Satz muss man so stehen lassen, womöglich noch unterstreichen.

An einem sonnigen, warmen Tag (ca. 25°C) bin ich Mitte Juli raus zum Weiher gefahren, um einige Aufnahmen zu machen. Schon der erste Blick zeigte mir, dass nicht viel Vogelbesuch vorhanden war. Einzelne Stockenten schwammen im Schilfgürtel und ein Zwergtaucher mit 3 Jungvögeln. Alle aber zu weit weg, um vernünftige Aufnahmen zu machen!

Ich habe mich dann etwas im Umfeld umgesehen, in der Hoffnung einen interessanten Schmetterling oder eine hübsche, farbenprächtige Libelle abzulichten. Aber ich hatte kein Glück und nach ca. 45 Minuten neigte sich meine Geduld dem Ende zu. Bereits auf dem Weg zurück zum Auto, die Kamera schon ausgeschaltet, hörte ich den Ruf eines Bussards. Es war aber nicht das typische „hiäh, hiäh“(*), es klang etwas anders. Ich schaltete die Kamera wieder an und schaute mich um.

Über dem freien Feld entdeckte ich einen Rotmilan, der mit Hilfe der Thermik seine Runden segelte. Rund um den Mühlenweiher gibt es einige kleine Waldstücke und viele bewirtschaftete Felder, die jetzt teilweise schon abgeerntet sind. Hier späht der Milan nach Beute, vorzugsweise Mäuse, und andere Kleinsäuger, aber auch Vögel und Aas werden angenommen.

Der Ruf des Milan klingt wie ein „gliehihihihi“(*), das war es also was ich gehört hatte.

Rotmilan


Der Vogel war noch relativ weit weg und ich hoffte, dass er noch ein wenig näher käme. Tatsächlich zogen seine Kreise immer weiter auf meinen Standort zu und ich sah auch bald warum. Über dem Weiher war ein zweiter Rotmilan zu sehen, wahrscheinlich handelte es sich um ein Paar. Eine Zeit lang zogen sie gemeinsam ihre Kreise, waren dabei aber so voneinander entfernt, dass es mir nicht möglich war beide zusammen in deutlicher Größe abzubilden.


Sturzflug



Dann ertönte auf einmal das bekannte „hiäh, hiäh“ und der Platz über dem offenen Feld wurde von 2 Mäusebussarden eingenommen, wodurch die Milane weiter nach rechts über das Wäldchen abgedrängt wurden und bald aus meinem Blickfeld verschwanden.

Mäusebussard


Mäusebussarde sind mir schon öfters hier am Weiher begegnet, regelmäßig fliegen sie einen hohen Baum an, der etwas tiefer im Wäldchen liegt. Ich vermute dass sie dort einen Horst gebaut haben. Bei diesem Anflug sind sie relativ weit unten über dem Weiher und ich konnte einige gute Aufnahmen machen.




Insgesamt verbrachte ich eine weitere Stunde am Weiher, die Zeit verging wie im Flug! Geduld wird also belohnt.

(Das Gute an der Ungeduld ist, das man in der Regel nicht weiß was einem entgangen ist.)

Noch eine Anmerkung zur Gefährdung:

Der Bestand des Mäusebussards hat sich wieder gut erholt und er zählt nicht mehr zu den gefährdeten Arten. Der Rotmilan verliert jedoch durch den zunehmenden Maisanbau immer mehr Lebensraum. In ganz Europa geht man von ca. 24.000 Stck (*) aus, mit abnehmender Tendenz. Er gehört zu einer gefährdeten Art.

Da ich hier am Weiher noch keinen Rotmilan gesehen habe und jetzt gleich ein Paar, berichte ich hier in der Rubrik Newcomer über diesen Greifvogel. Hoffentlich werden es hier im Neanderland (www.neanderland.de) und auch im Bergischen Land (www.dasbergische.de) bald wieder mehr dieser wunderschönen Greifvögel!


(*) Quelle: Greifvögel Europas /Kosmos Naturführer


Rotmilan Falknerei Bergisch Land